Brücken bauen, wo lange Gräben waren.
Fast dreihundert Jahre lang standen sich die katholische Kirche und die Freimaurerei mit Misstrauen gegenüber. Aus Distanz wurde Verurteilung, aus Verurteilung wurde Schweigen. Doch Schweigen versöhnt nicht. Versöhnung beginnt dort, wo zwei Seiten sich wieder an einen Tisch setzen und einander zuhören – nicht um zu gewinnen, sondern um zu verstehen.
Genau dazu lädt die Johannisloge „Harpokrates zur Morgenröthe“ zu Schwerin an diesem Abend ein: zu einem öffentlichen Gespräch über Verständigung, historische Vorbehalte und die Möglichkeit einer neuen Annäherung zwischen katholischer Kirche und Freimaurerei.
Was können Institutionen mit einer langen Geschichte gegenseitiger Vorbehalte heute voneinander lernen? Ein außergewöhnlicher Salonabend über Versöhnung, gegenseitiges Verständnis und die Kraft des respektvollen Dialogs.
Monsignore Michael H. Weninger – katholischer Priester, ehemaliger Diplomat und langjähriger Mitarbeiter des Vatikans – hat die Aussöhnung von Kirche und Freimaurerei zu seinem Lebensthema gemacht. An diesem Abend erzählt er, warum dieser alte Konflikt aus seiner Sicht überholt ist, und lädt zum Gespräch darüber ein, wie aus Fremdheit wieder Nachbarschaft werden kann.
Der Abend ist öffentlich. Er richtet sich an alle, die neugierig sind – Christinnen und Christen, Freimaurer, Suchende, Zweifelnde. Sie müssen nichts mitbringen außer der Bereitschaft, zuzuhören.
Ein verbreitetes Missverständnis.
Viele Christinnen und Christen tragen die Vorstellung mit sich, die katholische Kirche verbiete jeden Kontakt zur Freimaurerei oder spreche gar die Exkommunikation aus. Das ist so nicht (mehr) richtig – und das Missverständnis hält manche davon ab, einem solchen Abend überhaupt eine Chance zu geben.
Das geltende kirchliche Gesetzbuch von 1983 (der Codex Iuris Canonici) erwähnt die Freimaurerei nicht und verurteilt sie nicht. Der frühere Kanon, der eine automatische Exkommunikation vorsah, wurde nicht übernommen. Eine vielzitierte Erklärung aus demselben Jahr 1983 hat theologisches Gewicht, ändert aber am Kirchenrecht selbst nichts.
Ebenso wichtig: Die Kirche hat stets unterschieden zwischen einer kirchenfeindlichen, atheistischen Pseudo-Freimaurerei und Logen, die diesem Bild nicht entsprechen. Die Johannisloge „Harpokrates zur Morgenröthe“ gehört seit ihrer Stiftung im Jahr 1809 zur Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland – einem ausdrücklich christlichen Orden. In seiner Lehrart wird die Lehre Jesu Christi anerkannt, wie sie in der Bibel und insbesondere in der Bergpredigt niedergelegt ist. Die Loge ist damit das Gegenteil dessen, was die historische Verurteilung je im Blick hatte.
Kurz gesagt: Sie können diesem Abend mit gutem Gewissen begegnen – als Christ, der einem Mitchristen begegnet.
Michael Heinrich Weninger, geboren 1951 in Wiener Neustadt, hat einen Lebensweg hinter sich, wie ihn kaum jemand vorweisen kann. Zunächst diente er Österreich als Diplomat – unter anderem als erster Leiter der neu errichteten österreichischen Botschaft in Kiew und als Botschafter in Belgrad sowie als Sonderbotschafter im Tschad. Mehrere Jahre diente er auch als politischer Berater im Stab des Präsidenten der Europäischen Kommission, zuständig für den Dialog mit Religionen, Kirchen und Weltanschauungen.
2011 weihte ihn Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom zum Priester – Weninger ist damit der erste Botschafter in der Geschichte Österreichs, der die Priesterweihe empfing. In Rom wurde er Mitarbeiter im Dienst des Vatikans und war langjähriges Mitglied jener vatikanischen Behörde, die den Dialog mit den anderen Religionen koordiniert (heute: Dikasterium für den Interreligiösen Dialog), zuständig vor allem für die Beziehungen zum Islam.
In seiner an der Päpstlichen Universität Gregoriana entstandenen Dissertation widmete er sich seinem großen Anliegen: der Aussöhnung von katholischer Kirche und regulärer Freimaurerei. Daraus wurde 2020 sein viel beachtetes Buch „Loge und Altar – Über die Aussöhnung von katholischer Kirche und regulärer Freimaurerei“, in dem er darlegt, warum aus seiner Sicht der jahrhundertealte Konflikt überwunden werden kann. In seinem Werk „Aus Nacht zum Licht“ zeichnet er fesselnd den Dialogprozess nach, wie er vom Heiligen Stuhl initiiert und zum Erfolg geführt wurde, blendet jedoch die noch immer vorhandenen Schwierigkeiten nicht aus.
Ein Haus, das die Geschichte kennt.
Seit mehr als zwei Jahrhunderten ist das Schweriner Logenhaus ein Ort der Begegnung, des Gesprächs und der Suche nach dem Verbindenden. In dieser Tradition steht auch dieser Abend.
Gestiftet wurde die Loge am 21. Juli 1809; sie zählt damit zu den ältesten Einrichtungen der Landeshauptstadt. Ihr Name kommt aus dem ägyptischen Sagenkreis: Harpokrates galt als Sinnbild der aufsteigenden Sonne – daher die Morgenröthe. Ein Name, der den Anfang meint, nicht den Abschluss.
1822 erwarb die Loge ihr eigenes Haus. Den neoklassizistischen Anbau in der Schlachterstraße 17a, in dem wir an diesem Abend zusammenkommen, schenkte ihr Georg Adolph Demmler – der Baumeister, dem Schwerin sein Schloss verdankt.
Auch dieses Haus hat erfahren, wohin Ausgrenzung führt. Nach einem Überfall von SA-Männern im Februar 1934 wurden die Schweriner Logen aufgelöst und enteignet, ein Jahr später wurde unsere Johannisloge geschlossen. Erst 1992 konnte sie wiedererrichtet werden. Es ist derselbe Ort, an dem wir heute wieder zum offenen Gespräch einladen – ein Haus, das Unfreiheit überdauert hat und nun für Begegnung offensteht.
Versöhnung über Gräben hinweg ist hier keine Theorie. Sie hat in diesem Haus einen Ort und eine Geschichte. An sie knüpft unser Abend an.
Zur Vorbereitung beziehungsweise intensiveren Diskussion empfehlen wir die beiden Bücher des Vortragenden, „Loge und Altar“ sowie „Aus Nacht zum Licht“. Mitgebrachte Bücher signiert der Autor gern.
Änderungen im Ablauf behalten wir uns vor.
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